Im Rahmen der Heimatvielfaltwoche des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes(SHHB) hat am 10. September in Bornhöved ein Iven-Kruse-Gedenken stattgefunden. Veranstalter waren auf dem Friedhof, wo der gebürtige Ruhwinkler 100 Jahr zuvor bestattet worden war, der Ortsverein Bornhöved und Umgebung im SHHB und die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Bornhöved. Rund 70 Menschen kamen in der Trauerhalle zusammen, die erstmals zum „Kulturtempel“ wurde.
Moderiert vom SHHB-Ortsvereinsvorsitzenden Christian Detlof aus Schmalensee erlebte das interessierte Publikum einen gelungenen Mix aus Vortrag, Lyrik und Gesang. Die Kirchengemeinde sorgte für einen Imbiss und Getränke.
Volker Griese, Kruse-Kenner aus Wankendorf, hielt einen fesselnden Vortrag. Zum Besten gegeben wurden Lebensstationen, literarische Einflüsse auf und durch Johannes „Iven“ Kruse (1865-1926) und zahlreiche Anekdoten rund um diesen, seine holsteinische Heimat und Knicklandschaft liebenden Mann, der weit mehr als ein Heimatdichter, sondern vor allem Literat und durchaus einflussreicher Journalist gewesen ist.
Kruse, so die Feststellung, befasste sich bereits mit Fragen, die heute ebenso aktuell sind wie zu seinen Lebzeiten. Ob es um den Niedergang dörflicher Strukturen, den Eingriff in die Naturlandschaft oder politische Entwicklungen geht, die einer strauchelnden Gesellschaft mehr Schaden als Nutzen brächten. Seine teils verklausulierten Botschaften verkannten lokale Nationalsozialisten, die etwa im Werk „Der dritte Bismarck“ eine Wegbereitung ihrer Ideologie wähnten – während ihre Übergeordneten die darin enthaltenen Warnungen verstanden und Iven Kruse auf den Index setzten.
Für Auflockerung zwischen Vortrag und weiterem Programm sorgte der Männergesangverein Eintracht Bornhöved, der mit ausgewählten, zum Abend und Inhalt passenden Stücken eindrucksvoll für sich zu werben verstand. Wer die Menschen in der voll besetzten Trauerhalle beobachtete, sah viele mitsingen, wenn auch leise.
Einblicke in die Gefühlswelt und Heimatliebe Iven Kruses geben Gedichte und Liedzeilen, etwa die Strophen 4 und 5 des Stückes „Dat Du mien Leevsten büsst“. Petra Wede, Plattschnackerin aus Seedorf und als solche unter anderem im Heimatverein des Kreises Segeberg aktiv, trug auf wunderbare Weise und fesselnd aus dem Werk des am 10. September 1926 Verstorbenen vor, zog das Publikum in ihren Bann.
Die Freude Petra Wedes am Plattdeutschen, aber auch an Kruses Lyrik, die mal fröhlich, dann nachdenklich, mal voller Andeutungen, dann klar und auch mal hochdeutsch daherkommt, faszinierte ihre Zuhörerschaft so sehr, dass man ihr sicher gern noch länger fasziniert gelauscht hätte.
Das ist sogar noch lange möglich: Teil der Veranstaltung war die Eröffnung eines Literaturpfades, der sich über sieben Stationen von der Kapelle des Friedhofs bis zur Trauerhalle erstreckt. Auf von den Friedhofsmitarbeitern aufgestellten Tafeln können Gedichte Iven Kruses gelesen und – dank darauf angebrachter QR-Codes – über das Smartphone auch gehört werden; eingesprochen von Petra Wede. Noch bis Ende September ist der Literaturpfad begehbar. Die Texte und QR-Codes werden dann ins Heimatmuseum „De ole Rökerkaat“ umziehen, wo das Andenken an Iven Kruse weiter gewahrt wird.
Die Heimatvielfaltwoche hat vom 4. bis 13. September landesweit viele Menschen an die Themenvielfalt des SHHB herangeführt. Allein im Vereinsgebiet des Ortsvereins Bornhöved und Umgebung fanden vier Veranstaltungen statt. Angefangen mit den Günnbeker Plattsnackern um ihren Leiter Werner Stöwer, die als Vortragenden Gunnar Green nach Gönnebek geladen hatten, der vor einem gut gefüllten Haus bild- und filmreich zum Ochsenweg vortrug. Beim Naturschutzverein Ruhwinkel gab es eine Pilzführung im Schönbökener Wald und am Tag des offenen Denkmals besuchten in Bornhöved viele Interessierte das Heimatmuseum, die Vicelin-Kirche St. Jacobi und natürlich die Alte Schmiede.



