75 Jahre Landfrauenverein Bornhöved

Ihr „Landfrauen-Café“ ist legendär. Vereine, Organisationen, selbst die Kirchengemeinde schätzen sich glücklich, wenn sie die fleißigen und versierten Tortenbäckerinnen vom Landfrauenverein Bornhöved und Umgebung für ihre Veranstaltungen gewinnen können. Das darf auch gern so bleiben, denn sie backen gern, so die Vorsitzende Sigrid Niels-Rönnau. „Aber natürlich stehen wir für weitaus mehr.“ Und das war schon immer so in 75 Jahren Vereinsgeschichte. Das entsprechende Jubiläum wird am 24. Januar im Schmalenseer Gasthof Voß gefeiert.

Es soll ein Jubiläum für die Mitglieder sein, ein schöner Tag und nettes Miteinander, verrät die Vorsitzende. „An so einem Tag braucht es kein überfrachtetes Programm. Wir haben mittlerweile rund 200 Mitglieder, und die haben sich viel zu erzählen“, sagt Sigrid Niels-Rönnau, lässt aber durchblicken, dass etwas Programm durchaus vorgesehen ist bei der um 11 Uhr beginnenden Veranstaltung. Etwas nervös vor der großen Zusammenkunft sei sie schon, weiß aber ein tolles Vorstandsteam um sich, das im Organisieren routiniert ist und ihr den Rücken freihält. „Das wird ein schöner Tag!“

Zu dem auch die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der Gemeinden eingeladen sind, über die sich das Vereinsgebiet erstreckt: Blunk und Bornhöved, Damsdorf und Gönnebek, Schmalensee, Tarbek, Tensfeld und Trappenkamp. Man setzt auf eine lockere Zusammenkunft, bei der in Erinnerungen geschwelgt und Aktuelles ausgetauscht werden darf. Das Formale sieht Sigrid Niels-Rönnau eher im Hintergrund – schließlich gibt es dafür die Jahreshauptversammlung am 26. Februar.

Gefragt nach dem, was ihren Verein und die Landfrauenorganisation ausmacht, antwortet Sigrid Niels-Rönnau wie aus der Pistole geschossen: „Wir sind eine starke und zukunftsorientierte Gemeinschaft mit einer Schwäche fürs Land!“ Von Beginn an seien die Landfrauen darauf aus gewesen, ihren Mitgliedern in der Gemeinschaft Themen zu vermitteln, die dem Zeitgeist entsprechen. So sei man „größter Bildungsträger im ländlichen Raum für Frauen“.

Waren es früher häufig berufsnahe Themen für die meist in der Land- und Hauswirtschaft verwurzelten Frauen, seien schon bald gesellschaftliche und Gesundheitsthemen dazugekommen. Auch der kulturellen und geistigen Vielfalt werde im Landfrauenwesen viel Raum gegeben. „Wichtig ist, dass die Interessen unserer Mitglieder bei der Programmgestaltung Beachtung finden“, betont  Sigrid Niels-Rönnau. Damit schaut sie auch auf die Altersspanne in der Mitgliederdatei, sowohl zu den Älteren wie zu den sogenannten Jungen Landfrauen. Alle sollen sich zuhause fühlen.

Maßgeblichen Anteil daran hätten die Ortsvertrauensdamen. Die seien nicht etwa überholtes Relikt aus anderen Zeiten, sondern der Kitt, der einen Landfrauenverein, der sich über mehrere Orte erstreckt, zusammenhält: „Sind vor Ort die Ansprechpersonen, nehmen Interessen oder auch mal Unzufriedenheiten auf und kommunizieren das mit dem Vorstand, sozusagen als Vermittlerinnen. Sie wirken am Programm mit und sind unverzichtbar für die Organisation vor Ort“, erklärt Sigrid Niels-Rönnau. Außerdem trügen auch die Ortsvertrauensdamen ihren Anteil an der wichtigen Netzwerkarbeit der Landfrauen, die sich in ihrer ehrenamtlichen Arbeit vielfach nicht allein auf diesen Verein beschränken. „Landfrauen finden wir in Gemeindevertretungen, Bürgervereinen, Kirchengemeinden, in allen Berufsgruppen,  sogar in der Feuerwehr“, weiß Sigrid Niels-Rönnau.

Bis hinauf in die Bundesebene reicht die Lobby-Arbeit der Landfrauenorganisation.  So hätten die Landfrauen allein in den letzten 25 Jahren viel bewirken können, etwa bei der Verabschiedung des Gewalthilfegesetzes 2025 durch den Bundesrat oder die Anhebung der Altersgrenze für das Mammographie-Screening von 69 auf 75 Jahre. Seit 2003 laufen regelmäßige Gesundheitskampagnen des Landfrauenverbandes,  und auch die Einführung des Unterrichtsfachs Verbraucherschutz (seit 2009/10) und eine Verbesserung der Mütterrente 2014 gingen auf Landfrauen-Initiativen zurück.

Zurück zur Basis und in den Landfrauenverein Bornhöved und Umgebung. Der will auch im Jubiläumsjahr ein umfangreiches Programm anbieten, mit Vorträgen, Ausfahrten, Gesundheit und Bewegung, dem beliebten Frauenfrühstück und vielem mehr. „Wir müssen gar nichts extra machen im Jubiläumsjahr – unser Kalender ist gut gefüllt und für jede ist immer genug dabei“, ist sich Sigrid Niels-Rönnau sicher.

Wenn es aber etwas gibt, das sich die Vorsitzende für ihren Verein und das Ehrenamt generell wünschen würde, dann eine größere Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Gerade im Verein sollte das nicht schwer fallen: „Es macht super viel Spaß, mit einem tollen Team Programme zu gestalten und Dinge anzuschieben“, bekräftigt Sigrid Niels-Rönnau. Mit einem eindrucksvollen Mitgliederzuwachs allein in den vergangenen zwei Jahren seien sie und ihre Mitstreiterinnen schon sehr zufrieden. „Aber jetzt braucht es ein Signal und Klarheit darüber, dass wir Landfrauen mehr sind als Kuchen backen!“

Da dürfte das 75-jährge Bestehen doch gerade recht und mit Signalwirkung daherkommen.

Der Landfrauenverein Bornhöved und Umgebung

wurde am 23. Januar 1951 in der Bornhöveder Bahnhofsgaststätte gegründet, damals noch als Bezirks-Landfrauenverein. Erste 1. Vorsitzende war Edith Meyer aus Tarbek. Es folgten 1952 Magda Schnoor (Gönnebek), 1966 Erna Hack (Tarbek), 1979 Katrine Jürgens (Damsdorf), 1983 Helga Hauschildt (Bornhöved) und 2001 Wiebke Bock (Blunk).

Seit 2018 ist Siegrid Niels-Rönnau aus Gönnebek Vorsitzende des über 200 Mitglieder zählenden Vereins. Den weiteren Vorstand bilden mit Beginn des Jubiläumsjahres die 2. Vorsitzende Karin Timm (Bornhöved), Kassenwartin Helma Horn (Tensfeld), Schriftführerin Margret Tensfeldt (Tarbek) sowie die Beisitzerinnen Ute Kiel und Christina Theuer (beide Tensfeld) und Anna Rave (Gönnebek).

Ortsvertrauensdamen sind Wiebke Bock (Blunk), Andrea Scheel (Bornhöved), Ute Kiel (Damsdorf und Tensfeld), Hilde Semerak (Gönnebek), Waltraud Detlof (Schmalensee), Margret Tensfeldt (Tarbek) und Anne-Cathrin Hofmann (Trappenkamp).

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